Krimilesung Eveline Schulze: »Die Tote auf den Gleisen« am 15.2.17, 14:30 Uhr öffentlich – Anmeldung unter 03581 404356 erwünscht – Demokratischer Frauenbund e.V / Frauenverein Görlitz Kunnerwitzer Str. 16, 02826 Görlitz

Am Morgen findet ein Streckenläufer der Reichsbahn eine Frau tot auf den Gleisen. Trotz winterlicher Temperaturen trägt sie
weder Mantel noch Jacke. Die Kriminalpolizei ermittelt, dass es sich um die 20-jährige Ruth F. handelt, Studentin an der
Arbeiter- und Bauernfakultät in Görlitz. Man geht von einem Selbstmord aus … Das ist die Ausgangssituation für die
Titelgeschichte des siebten Bandes mit authentischen Kriminalfällen aus Görlitz und Umgebung von Eveline Schulze. Die Autorin
begibt sich erneut auf Tätersuche. Aus Unterlagen und Zeugenberichten rekonstruiert sie minutiös den Hergang.

Erneut hat Eveline Schulze Akten gewälzt, Zeitzeugen befragt, Zusammenhänge hergestellt. In drei spannenden Episoden erzählt die
Autorin aus der Neißestadt authentische Kriminalfälle. Einer davon scheint noch ungelöst, da sich im Laufe der Recherchen viele
Ungereimtheiten ergeben haben.

Es ist das Jahr 1954. Ruth Fende stammt aus Spitzkunnersdorf. Die junge Frau, Halbschwester eines ortsbekannten Bäckermeisters,
lernt dort Weberin. Sie ist jedoch so gut in der Schule, dass sie auf die so genannte Arbeiter- und Bauernfakultät (ABF) nach
Görlitz geschickt wird, wo sie sich für ein späteres Studium fit machen soll. In der Neißestadt wohnt sie zur Untermiete. Knapp
zwei Monate nach Beginn des Schuljahres ist sie tot. Anfang November aufgefunden an den Bahnschienen auf der Brücke
Reichenbacher Straße, genau am Kilometerpunkt 1,3.

Die Todesumstände jedoch, findet Eveline Schulze heraus, sind widersprüchlich. Auf der Sterbeurkunde, die die
Kriminalbuchautorin selbst in den Händen hält, steht als Todesursache: überfahren, überrollt, nach Volkspolizeiangaben Suizid.
Doch die zuvor angeordnete Verwaltungssektion hatte ergeben, dass die Leiche weitgehend intakt war. Keine Spur von abgetrennten
Gliedmaßen, wie man es beim Überfahren durch einen Zug vermuten könnte.

Eveline Schulze macht sich auf die Spur, denn der Fall ist für sie noch ungelöst. Entscheidend ist für sie die Frage: Wie ist
Ruth Fende tatsächlich zu Tode gekommen? Mit etwas Glück macht sie die Familie ausfindig, bei der die Spitzkunnersdorferin in
Görlitz zur Untermiete wohnte. Waltraud, die Enkelin der damaligen Vermieterin, gibt ihr wertvolle Hinweise, denn sie hat mit
Ruth in einem Zimmer gelebt. Angeblich, so die Angaben der Polizei 1954, soll die junge Frau an Tuberkulose, einer unheilbaren
Krankheit, gelitten haben. Deshalb habe sie sich das Leben genommen. Doch in Spitzkunnersdorf weiß niemand etwas davon, auch
wenn im Sektionsbefund ein angeblich massiver TBC-Befund vermerkt ist.

Fest steht aber auch, dass Ruth Fende mit gebrochenem Zungenbein an den Gleisen liegen blieb – eine Verletzung, die man beim
Erwürgen zugefügt bekommt. Es könnte also auch sein, dass die Schülerin erst getötet und dann auf der Bahnbrücke an der
Reichenbacher Straße abgelegt wurde.

Eveline Schulze ist hin und her gerissen. Denn um die offizielle Todesursache anzuerkennen, gibt es zu viele Unstimmigkeiten.
Sie hofft deshalb, weitere Zeitzeugen zu finden – vielleicht aus der ABF-Klasse, in der Ruth Fende 1954 ein paar Wochen lang die
Schulbank drückte. Oder aus dem Wohn-, Freundes- und Schulumfeld der verstorbenen Frau. Gelingt das, soll die Aufarbeitung
weiter gehen.

Eveline Schulze, geboren 1950, studierte Journalistik. In den 80er Jahren war sie bei der Kriminalpolizei Görlitz tätig. Sie
legte mit »Mordakte Angelika M.« (2007), »Kindsmord« (2009), »Liebesmord« (2010), »Mord in der Backstube« (2012), »Kindsleiche
im Ofen« (2013) und »Vaters Pistole« (2015) bereits sechs erfolgreiche Sammlungen authentischer Kriminalfälle vor.

2 Eveline Schulze Foto Wehnert.jpg

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