Krimi-Stadtführung durch Görlitz

Sächsische Zeitung :

Donnerstag, 20.04.2017

Tatort Altstadt

Eine Krimi-Stadtführung durch Görlitz bieten Karina Thiemann und Gudrun Burkhard ab sofort an. Sie erinnern auch an den berüchtigten Broiler-Eddie.

Von Daniela Pfeiffer

Was in Görlitz nicht alles schon passiert ist. „Wir konnten es selbst kaum glauben“, sagt Stadtführerin Karina Thiemann. Zusammen mit Kollegin Gudrun Burkhard hat sie in Büchern geschmökert, mit Leuten geredet – alles zur kriminellen Vergangenheit von Görlitz. Vergewaltigung, Kindsmord, Totschlag – daraus ist nun eine neue Stadtführung entstanden, die die beiden Frauen ab sofort anbieten. Es geht zu Schauplätzen von Kriminalfällen hauptsächlich der 1960er bis 1980er Jahre. Natürlich wird der Mord an der kleinen Roswitha, den unlängst auch das MDR-Fernsehen in „Spur der Täter“ thematisierte, dazugehören. Die entsprechende Station in der eineinhalbstündigen Führung ist der Nikolaifriedhof. Jenseits der Friedhofsmauer lebte der Mädchenmörder in seinem Haus.

„Dieser Fall ist einer der bekannteren“, sagt Karina Thiemann. „Uns ist bei unseren Gesprächen aber aufgefallen, dass offenbar vieles verschwiegen wurde, erst nach der Wende oder aus den Büchern der Krimiautorin Eveline Schulze bekannt wurde.“

Was Görlitzer noch wissen könnten, ist die Geschichte um Broiler-Eddie. So lautete der Spitzname des Broilerverkäufers Dietmar B. Seine kriminellen Machenschaften verschaffen ihm nun eine Station in der Krimiführung: auf dem Demianiplatz, wo er einst sein Geschäft betrieb. Aber 2003 wurde er am Gardasee unter dem Verdacht, ein Mörder zu sein, festgenommen. Die italienische Polizei glaubte, dass er mehrere Frauen im See versenkt hat. Schon damals war er kein unbeschriebenes Blatt, hatte einen Puff betrieben, auch schon im Gefängnis gesessen. 2005 wurde er in München wegen Mordes an einer Frau, gefährlicher Körperverletzung, sexueller Nötigung und anderen Delikten zu lebenslanger Haft verurteilt. Kurz darauf erhängte sich der 61-Jährige in seiner Zelle.

Karina Thiemann und Gudrun Burkhard sind sich sicher, dass Besucher wie Einheimische solche Geschichten fesseln werden. Zwei Probeführungen seien sehr gut angekommen. Karina Thiemann, die weiterhin auch Filmführungen anbietet, hat festgestellt, dass das Interesse an thematischen Stadtrundgängen immer größer wird. „Das liegt wohl einerseits an den steigenden Übernachtungszahlen, aber auch an den Görlitzern, die selbst immer interessierter werden.“

Krimi-Stadtführungen: 21. April 17 Uhr; 13. Mai 17 Uhr; 2. Juni 19 Uhr; 15. Juli 17 Uhr; 12. August 16 Uhr (sowie auf Nachfrage). Start & Ziel ist der Obermarkt. Tickets gibt es bei der Görlitzinformation und bei ivent.

http://www.sz-online.de/nachrichten/tatort-altstadt-3663344.html

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